"Ich rede vom Ende der Nacht"

Lyrik der persischen Dichterin Forugh Farrochsad
Gedicht in persisch
Das Geschenk



Ich rede vom Ende der Nacht
Ich rede vom Ende der Dunkelheit
Und vom Ende der Nacht rede ich

Wenn du zu meinem Haus kommst,
bring mir, du Lieber, eine Lampe
Und eine Luke, aus der ich
Das Gedränge der glücklichen Gasse sehen kann




Als einmaliges Event geplant (im Rahmen der Ausstellung und Performance "Ferser, Peutsche und Poetenland" mit Bildern und Lyrik von Ali Renani), entwickelte sich "Ich rede vom Ende der Nacht" zu einem eigenständigen Projekt. Die erste Begegnung mit der Lyrik Forugh Farrochsads war geprägt vom Versuch der Annäherung an eine scheinbar fremde Kultur und literarische Sprache.

Die Brücke war geschlagen, als sich zeigte, daß Farrochsads Lyrik Emotionen und Sehnsüchte beschreibt, die in allen Kulturkreisen bekannt sind. Der Drang nach Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen, der Wunsch nach Selbstbestimmung und Emanzipation, sexuelle Befreiung, Liebeslust und -frust sind nur einige Themen, in denen man sich wiederfinden kann. Die Lesung "Ich rede vom Ende der Nacht" ist in diesem Sinne konzipiert: Es geht um die Suche nach Gemeinsamkeiten, nach Verstehen einer vordergründig fremden Kultur, wobei sich schnell herausstellt, daß Nähe möglich ist. Die Nähe zu einer Person, ein privates Herantasten an den Menschen Forugh Farrochsad, aber auch an übergreifende Themen. Der Weg dahin ist die lyrische Sprache der Dichterin. Die Kunstfertigkeit, mit der sie ihre Themen in Worte faßt. Ein besonderer Schwerpunkt der Lesung liegt in der Musik, die die Lyrik klangmalerisch transparent macht. Den zum Teil sehr emotionalen Gedichten wird eine avantgardistische Tonsprache gegenübergestellt. Besonders der Einsatz der Altflöte, mit ihrem sehr eigenen Klangideal, verstärkt die oft meditative Wirkung.
Gedichte sind wie Fenster, wenn ich hingehe, öffnen sie sich und ich sitze und schaue und singe und schreie und weine. Vermische mich mit den Blättern der Bäume und bin sicher, daß auf der anderen Seite des Fensters jemand ist, der mich hört. Dieser Jemand kann 200 Jahre alt sein oder aber erst in 300 Jahren geboren werden. Das Gedicht ist ein Instrument, es ist wie eine Antwort, die jeder dem Leben geben muß."
(Forugh Farrochsad)


Pressestimmen:

Hier war die Stimme einer Lyrikerin zu hören, die verletzlich, die scheu und äußerst sensibel ist, hier war von einem Einklang von Natur und Stimmung die Rede, aber auch von einer unerklärlichen Kraft, die das "Dennoch jedes Buchstabens"- so eine Formulierung von Hilde Domin - immer wieder aufklingen läßt.
(Wiesbadener Tagblatt)

Avantgardistische Klänge produzierte Britta Roscher auf ihren Querflöten, Klänge allerdings, die nie Selbstzweck waren, sondern immer wieder die Texte untermalten, interpretierten und ins Land der Musik transponieren.
(Wiesbadener Kurier)

In klarer Intonation, ohne störende Übertreibungen, aber immer voller Einfühlungsvermögen und mit gestalterischer Kraft brachte sie die Verse zum Klingen und - was vielleicht von wichtiger war - machte die Lyrik schon beim ersten Hören verständlich.
(Main-Echo)

Ganz typisch für ihren Vortrag war der Schluß der Lesung: Nach einem lautmalerischen Höhepunkt, in dem die menschliche Stimme den Klang der Zickaden im "Mond, du großer Mond" verblüffend getreu wiedergab, zogen sich beide Künstlerinnen mit einem Satz Farrochsads über den Mond zurück: "In seiner goldenen Wut war ihm zum Platzen". Ein Ende ohne Pathos, ohne Weinerlichkeit, ein Ende mit ein wenig Ironie - ...
(Main-Echo)